Gesockelte IC’s

Das IC (ganz allgemein)

Ohne hier Wikipedia allumfassend zu zitieren, sei kurz angemerkt: Integrierte Schaltkreise (Englisch=integrared Circuit), in Kurzform IC genannt, sind teils hochkomplexe, elektronische Bauteile, die etliche Funktionen gleichzeitig ausführen können, welche vor dem Beginn der Miniaturisierung nur mit riesigen Transistorschaltungen zu realisieren waren.

Ohne IC’s wären Computer heute noch immer so groß, dass sie ganze Räume füllen würden und so viel Strom, wie eine Kleinstadt bräuchten.

Die wohl bekanntesten Vertreter Ihrer Gattung sind z.B. Prozessoren.

Das gesockelte IC

Wie Sie sicherlich schon mal gesehen haben, sind elektronische Bauteile in der Regel auf einer Platine fest verlötet und können dank heutiger SMD Technik zum Teil nur noch schwer entfernt werden. Zu Zeiten des C64 und Amiga war die Elektronik aber oft noch sehr empfindlich und viele von Commodore selbst produzierte bzw. entwickelte IC’s (auch Custom Chips genannt), waren sowohl elektronisch, als auch thermisch sehr empfindlich. In vielen Geräten starb so manches IC schnell einen Hitze Tod, da die entsprechenden Bauteile nur unzureichend oder auch gar nicht vor Überhitzung geschützt waren.

Darüber hinaus gab es von vielen Custom IC’s immer mal wieder Upgrades, wo Bugs (Fehler) beseitigt wurden oder Neuerungen implementiert wurden. Wo heute Firmware Updates stattfinden, wurde damals das komplette IC getauscht. Und um ein schnelleres austauschen dieser IC’s zu ermöglichen, hat man diese IC’s größtenteils gesockelt.

Gesockelt bedeutet: Es wurde ein zumeist aud Kunststoff bestehendes Bauteil auf die Platine gelötet – dort, wo eigentlich das IC fest verlötet wäre. Dieses Bauteil hat auf seiner Oberseite Anschlüsse, auf die die feinen Beine des IC’s passen. Sie sind so konsturiert, dass die Beine in den Öffnungen gehalten werden, wenn man das IC aufgesteckt hat. Zu entfernen ist das IC dann mit leichtem Heraushebeln.

Die Sockel und ihre Probleme

So angenehm diese Verbindungsmöglichkeit bei der Fehlersuche auch ist, so nachteilig kann sie sich nach über 20 Jahren auswirken. Viele der gesockelten IC’s verlieren im Laufe der Jahre durch Erschütterungen bei Transport etc. ihren Halt und rutschen teilweise nur Millimeter aus den Sockeln und verlieren damit ihren Kontakt. Oft ist dies nicht weiter tragisch, es kann IC’s, die elektronisch sehr empfindlich sind, aber auch dauerhaft zerstören, wenn wichtige Kontakte ihre Verbindung verlieren oder sogar Kurzschlüsse auftauchen.

Auch mehrmaliges entfernen und wieder einsetzen von IC’s leiert die oftmals primitiven Kontakte aus und sorgt dafür, dass IC’s entweder sofort wieder von allein heraus springen oder fallen, oder die im Sockel befindlichen Kontakte oder die des jeweiligen IC’s beschädigen.

Die Sockel selbst sind meistens minderwertiger Qualität und reagieren sehr empfindlich auf äußere Einwirkungen, wie feuchte Luft etc. Sie beginnen sich aufzulösen, zu korrodieren. Oft sieht man dies nicht einmal und kann dies nur mühevoll mit einem Durchgangsprüfer testen und selbst dann können sich noch Haarrisse im Material befinden. Oftmals müssen daher heute viele Sockel komplett erneuert werden, damit wieder optimale Kontaktverbindungen herrschen.

Diese Sockel – einst dazu gedacht, Fehler schneller zu finden, sorgen heute nicht selten selbst für schwer nachvollziehbare Fehler.

Welche Geräte betroffen sind

Z.B. bei den Commodore Geräten gibt es kaum welche, die hiervon nicht betroffen sind. Nicht betroffen, oder selten betroffen sind eigentlich nur die Amiga Geräte 600, 1200, 4000 und CD32, da sie größtenteils bereits auf SMD Technik basieren und auch die Custom Chips verlötet wurden. Lediglich die Kickstart IC’s wurden hier noch gesockelt.

Am gravierendsten machen sich die Fehler in den Amiga Geräten 500(+), 2000 bemerkbar, denn dort kommt das Akku Problem erschwerend hinzu (siehe Bericht über RTC Akku Probleme). Hier ist eine Fehlersuche sehr müßig, da gleich mehrere, wenn nicht sogar alle IC Sockel defekt sein können.

Der erste Schritt der Fehlerbehebung – der korrekte Sitz

Haben Sie gerade ein Gerät erworben bzw. eines wieder hervorgeholt, wo Sie zu 100 Prozent sicher sind, dass das Gerät funktionierte, empfiehlt es sich, dieses zu öffnen und zu schauen, wie das Innere des Geräts aussieht. Können Sie auf anhieb keine Fehler erkennen (ausgelaufener Akku, verbrannte Bauteile oder andere merkwürdig aussehende Stellen), drücken Sie einmal mit etwas Druck alle gesockelten IC’s fest auf die Sockel. Meist ist ein leichtes knarzen zu vernehmen, dass einem andeutet, dass das jeweilige IC potenziell ein solcher Kandidat ist, der nicht mehr richtig in seinem Sockel saß.

Der zweite Schritt der Fehlerbehebung – Kontakte reinigen

Sollte dies nicht viel gebracht haben oder sich ein neuer/anderer Fehler offenbaren, empfiehlt es sich, die IC’s vorsichtig aus den Sockeln zu hebeln und die Kontakte zu überprüfen. Sind alle Beine der IC’s unbeschädigt? Sind die Kontakte des Sockels optisch unauffällig? Reinigen Sie sowohl die Beine des IC’s, als auch die Kontakte des Sockels mit z.B. Isopropanol oder speziellen Elektronikreinigern (verwenden Sie bitte niemals wasserhaltige Reiniger oder Kontaktsprays auf Öl- und/oder Silikonbasis).

Wattestäbchen und alte Zahnbürsten helfen dabei, an die Kontakte zu kommen, ohne sie zu beschädigen.

Merken Sie sich bitte unbedingt wie das IC eingesetzt war. Jedes IC verfügt über eine Markierung. Entweder besitzt das IC eine Kerbe an einer der beiden kurzen Enden oder aber es befindet sich auf dem IC eine Vertiefung an Pin 1 des IC’s. Im Idealfall ist auf der Platine ein symbolisches IC mit dieser Kerbe aufgezeichnet, sodass sofort ersichtlich ist, wie rum das IC eingebaut werden muss. Ist dies nicht der Fall oder Sie wollen auf Nummer sicher gehen, empfiehlt es sich, VOR der Entnahme ein Foto zu machen. Wird das IC falsch rum eingebaut, ist nahezu sichergestellt, dass es beim Einschalten des Gerätes zerstört wird, da die Spannungsversorgung mitunter an einem Pin anliegt, wo unter keinen Umständen die Versorgungsspannung anliegen darf.

Schwerwiegendere Probleme

Sollte das Andrücken und Reinigen nichts gebracht haben, ist eine intensivere und professionellere Überprüfung nötig. Diese sollte dann aber von einer versierten Person durchgeführt werden. Es ist davon abzuraten, selbst an dem Gerät herumzubasteln, wenn man weder Kenntnis über die Funktion der jeweiligen IC’s hat oder nicht weiß, mit einem Lötkolben und speziellen Messgeräten umzugehen. Die Platinen sind zum Teil sehr Hitzeempfindlich und können bei „Lötversuchen“ schnell beschädigt werden.

Beachten Sie daher unbedingt folgenden Hinweis:

Jegliche Nachahmung geschieht auf eigene Gefahr!!! Alle hier gemachten Angaben sind ohne Gewähr. Wir übernehmen keinerlei Haftung bei Schäden an Material und Mensch!

Der Eingriff in Netzspannung führende Elektronik ist für Laien Tabu und wird rechtlich als grob fahrlässiges Verhalten angesehen!!! Keine Versicherung kommt für Schäden an Leib und Leben, sowie Eigentum auf, wenn Sie als Laie nachweislich grob fahrlässig handeln!

Für diejenigen, die sich diese Dinge nicht zu trauen, sei gesagt, dass man anhand dieser Berichte sieht, dass nahezu alles wieder hinzubekommen, und kaum ein Fall hoffnungslos ist! Benötigen Sie Hilfe, mangels Kenntnissen und Equipment, können Sie gern zu uns Kontakt aufnehmen! Gerne helfen wir Ihnen bei der Lösung des Problems. Nutzen Sie hierzu bitte unser Kontaktformular für Hardwareprobleme und schildern uns Ihr Anliegen. Gern unterbreiten wir Ihnen einen Lösungsvorschlag.