Der RTC Akku – die tickende Bombe

Der RTC Akku

Ein Akku – nach über 25 Jahren tödlich!

Zu finden sind diese kleinen, sprichwörtlich tickenden Zeitbomben in vielen Amigas, alten Apple Geräten oder dessen Peripherie, aber auch vielen anderen Home Computern. Die dem RTC (Real Time Clock) Bereich zugehörigen Akkus dienten ursprünglich nur dem Zweck, die Uhrzeit und das Datum, auch nach dem Ausschalten des Rechners zu behalten.

Heutzutage werden in PC’s hauptsächlich Knopfzellen-Batterien verwendet oder die Geräte besitzen gar keinen RTC Bereich mehr, da die Uhrzeit direkt online synchronisiert wird. In der Zeit der Amigas wurden jedoch wieder aufladbare und fest verlötete Akkus verwendet. Diese Akkus verlieren aber natürlich – wie auch ihre großen Brüder aus dem Hausgebrauch, im laufe der Jahre ihre Möglichkeit genug Ladung aufzunehmen, was an immer öfter falsch laufenden Uhren und falschen Datumsangaben erkennbar ist.

Irgendwann passiert dann der Supergau und die Akkus beginnen nicht nur an Kapazität zu verlieren, sondern verlieren darüber hinaus auch ihren chemischen Inhalt!!!

Gefährlich ist dies für sämtliche elektronischen Bauteile und kann über Jahre hinweg auf Dachböden, in Kellerräumen oder Schränken unerkannt bleiben. So hat diese „Elektrolyt“ im laufe der Zeit die Möglichkeit, komplette Computer unbrauchbar zu machen, in dem es allmählich alle nahegelegenen Bauteile und schlussendlich sogar die Platine selbst zerfrisst und somit zerstört.

Um dies zu unterbinden oder zu stoppen, sollten diese Akkus SOFORT entfernt werden, sobald man ein solches Gerät vor sich hat. Sollte ein Akku bereits ausgelaufen sein, ist schnelles Handeln angesagt, denn ausgelaufenes Elektrolyt frisst sich weiter durch die Platine, auch wenn der Akku bereits entfernt wurde.

Wir wollen hier im Einzelnen einfachere Akku Schäden und deren Eindämmung und Entfernung erörtern. Schwerwiegende Akku Schäden sollten nur durch wirklich technisch versierte Leute durchgeführt werden, denn dies erfordert gute bis sehr gute Kenntnisse im Bereich Elektronik.

Nachfolgend eine Liste aller betroffenen Geräte (wir beschränken uns hier auf die Amigas):

Amiga Model Position des Akku Gefährdungsart
Amiga 1000 Kein Akku vorhanden. Wenn überhaupt wurden Akkus erst auf späteren Erweiterungen angeboten. keine
Amiga 500 (alle Revisionen) Akku befindet sich nicht direkt im Amiga sondern ausschliesslich auf Speichererweiterungen im Expansionsport, oder auf Festplattencontrollern etc. indirekt
Amiga 500+ (Plus) Akku befindet sich direkt auf Hauptplatine unter dem Schutzblech und kann nicht auf anhieb nach Öffnung des Gehäuses gesehen werden. Sitz des Akkus ist seitlich nach links versetzt, hinter dem Floppy Laufwerk. direkt
Amiga 2000/2500/HD Akku befindet sich direkt unterhalb des Prozessors, am Rand der Platine, im Bereich der Front. direkt
Amiga 3000D/T Akku befindet sich bei den meisten Revisionen zwischen den Custom Chips Paula und Denise, sowie Fat Agnus, direkt unterhalb der Zorro Steckplätze. Manche Revisionen wurden bereits früh mit einer Knopfzelle nachgerüstet oder von haus aus ausgestattet. direkt/–
Amiga 4000D/T Der Akku befindet sich direkt neben den Fast Ram Bänken. Beim Tower Model wurde der Akku eingespart und stattdessen bereits eine Knopfzellen Batterie verbaut (Trotzdem gilt Alarmstufe rot, da die Amiga 4000D die am meisten von Akkus geplagten Rechner sind). direkt/–
CDTV Kein Akku vorhanden, Gerät verfügt über Standby Schaltung, aufgrund der in der Front befindlichen Digital Uhr. keine
CD32 Kein Akku vorhanden, da als Spielekonsole konzipiert. Speichern von Datum und Uhrzeit daher überflüssig. Eventuelle Erweiterungen verfügten lediglich über Knopfzellen Batterien, die selten auslaufen. keine
Amiga 1200/HD Bei diesem Rechner ist kein Akku verbaut. Auf Erweiterungen wurden bereits größtenteils Knopfzellen Batterien verbaut. keine
Amiga 600/HD Bei diesem Rechner ist kein Akku verbaut. Auf Erweiterungen wurden bereits größtenteils Knopfzellen Batterien verbaut. keine

Bei den Geräten aus dem Hause Apple sind eigentlich alle Geräte der MAC Reihe, bis zum Logowechsel (von bunt auf einfarbig) betroffen. Angefangen beim Knubbelmac und  dessen Nachfolgern, bis hin zu den Power MAC’s!

Randbemerkung: Diese Liste ist ohne Gewähr und nicht unbedingt immer anwendbar, da an vielen Geräten im laufe der Jahre auch das ein oder andere Mal herum geschraubt und gelötet wurde, so kann es vorkommen, dass Ihr Gerät vielleicht schon wieder andere Vorgaben hat. In erster Linie soll diese Liste auch nur wiedergeben, welche Geräte am ehesten betroffen sind.

Es ist in jedem Fall zu empfehlen all diese Geräte unverzüglich zu überprüfen. Lieber einmal zu viel, als zu wenig geguckt!

Optischer Vergleich

Akku in normalem Zustand

Im rechten Bild (zum vergrößern einfach das Bild anklicken) sieht man ein Beispiel eines Akkus im Normalzustand – hier ein Akku, einer A500 Speichererweiterung. Keinerlei Verfärbungen, blanke Kontakte, keinerlei Anzeichen eines defekten oder ausgelaufenen Akkus. So sind ein Akku aus, der noch keinen Schaden angerichtet hat. Doch Vorsicht! Ein Blick unter die blaue „Tonne“ lohnt sich! Nicht jeder auslaufende Akku sieht sofort aus, wie im folgenden!

Akku im „blühenden“ Zustand

Im rechten Bild (zum vergrößern einfach das Bild anklicken) erhalten Sie ein Beispiel, wie ein bereits ausgelaufener Akku auf sein Umfeld einwirkt. In diesem Fall ist eine Speichererweiterung eines A500 stark in Mitleidenschaft gezogen. Sämtliche Kontakte zeigen Korrosionen und Verfärbungen, der Akku „blüht“ wenn auch noch nicht kräftig und dennoch ist diese Speichererweiterung schon fast ein Fall für die Elektronikverwertung. Sämtliche IC’s haben Grünspan angesetzt, Nahezu alle Lötstellen sind angefressen oder sogar komplett zerfressen. Die Widerstände und Dioden beginnen bereits, sich sprichwörtlich aufzulösen. In diesem Zustand ist die Speichererweiterung nicht mehr zuverlässig zu betreiben, selbst wenn sie noch funktionieren würde. Abstürze sind an der Tagesordnung.

Akku gefunden… was nun?

Sollten Sie an Ihrem Gerät einen Akku entdeckt haben und sich nicht sicher sein, ob dieser noch zu gebrauchen ist, ist folgende Liste zur Erkennung des Zustandes zu empfehlen. Die Liste ist nach den verschiedenen Stadien, sowie dem nötigen Wiederherstellungsaufwand gestaffelt.

Verschiedene Stadien von Akkuschäden beim Amiga:
Sichtbare Auswirkung Stadium des Schadens Auswirkungen im Betrieb Wiederherstellungsaufwand
keine sichtbaren Schäden am Akku. Akku speichert Datum und Uhrzeit jedoch nur noch mit großen Differenzen oder gar nicht mehr. Anfang Amiga speichert Uhrzeit und Datum nicht mehr oder falsch gering – Akku sollte entfernt bzw. ausgetauscht werden. Evtl. kleine Lötarbeiten erforderlich.
Akku zeigt grünliche Verfärbungen an den Kontakten oder weisse Oxidationen, die aussehen, als würde der Akku „blühen“. Platine und direktes Umfeld unauffällig. fortgeschritten Erste, nicht nachvollziehbare Abstürze und Guru Meditations bedenklich – Akku sollte umgehend entfernt werden. Platine am ehemaligen Sitzplatz des Akkus vorsorglich mit speziellem Elektronik Spray/Reiniger oder Alkoholreiniger (Isopropanol) behandeln, um etwaige, unsichtbare Rückstände vorsorglich zu entfernen. Kleinere Lötarbeiten und Spezial Reiniger erforderlich.
Sowohl Akku, als auch das direkte Umfeld des Akkus zeigen an Lötzinn führenden Bauteilen grünliche Verfärbungen. stärker fortgeschritten Amiga zeigt immer häufiger Abstürze, zeigt beim Start mittels des Farbcodes fehlerhaftes RAM etc. an. hoch – Akku sofort entfernen und sämtliche, befallenen Lötstellen entlöten. Alle Bauteile und betroffenen Stellen ausgiebig reinigen, um die Rückstände zu neutralisieren.
Akku löst sich bereits von selbst von der Platine, sichtbare Schäden an Bauteilen, deren Beine stark angegriffen sind. Platine zeigt oberflächlich Verfärbungen. weit fortgeschritten Amiga startet nicht mehr aus Routine heraus und kommt nur noch bis zum dunkelgrauen Bildschirm und startet sofort neu. sehr hoch – Akku entfernen und sofortige Grundreinigung und Neutralisierung mit Spezialreiniger in die Wege leiten. Reinigungsmittel längere Zeit einziehen lassen und bei Bedarf wiederholen. Eventuell müssen erste Bauteile komplett erneuert werden. Achtung! In diesem Stadium sollte das komplette Gerät überprüft werden, da hier meisst auch Verdunstungen und eventuelles schiefes Lagern dafür gesorgt haben kann, dass auch andere Bereiche betroffen sind. Gerne sind gesockelte IC’S und deren Sockel betroffen. Gründliches Reinigen und Austauschen einiger Bauteile von Nöten. Genaues Arbeiten mit Meßgeräten von Nöten um 100prozentige Wiederherstellung zu gewähren. Teilweise sind sogar Rekonstruktionen auf der Platine von Nöten.
Im näheren Umfeld des Akkus lösen sich bereits die Leiterbahnen auf, die Platine „bläht“ sich förmlich auf. teilweise Bauteile Verlust mangels Haftung an den Lötpunkten. Bauteile zum Teil unerkennbar zerfressen. Sämtliche Lötpunkte und Metallteile im Gerät angegriffen bis leicht korodiert. Endstadium Amiga startet nicht mehr und stürzt permanent ab oder zeigt gar kein Lebenszeichen mehr. nahezu hoffnungslos – Nach sehr aufwendigen Reinigungen müssen sowohl Platinenlayout, als auch Stromläufe rekonstruiert werden. Diese Maßnahmen sind jedoch nur mit sehr großem Aufwand zu bewerkstelligen und nicht immer von Erfolg gekrönt. Gerade bei Platinen im sogenannten „Double/Dual Layer“ Layout ist hier eine Reparatur schwierig bis unmöglich, da sich gleich mehrere Schichten Leiterbahnen übereinander befinden, die Kurzschlüsse verursachen können, oder einfach nicht mehr rekonstruierbar sind.

Entfernung vom Akku und Bearbeitung potenzieller Schäden

Die Entfernung des Akkus ist kein großer Akt, wenn man den Übeltäter erst einmal dingfest gemacht hat. Soll es schnell und unkonventionell gehen, kann man die blauen Tonnen entweder vorsichtig immer wieder zu den Seiten kippen, bis die Lötfahnen abbrechen oder man nimmt einen Seitenschneider zur Hand und kneift die Fahnen direkt auf der Print-/Bestückungsseite (Oberseite) durch. Wer es etwas ordentlicher mag, nimmt einen Lötkolben zur Hand und lötet den Akku fachgerecht aus. Doch Achtung. Ist der Akku bereits ausgelaufen, entstehen beim auslöten mitunter giftige Dämpfe, sobald der ausgelaufene Akku Inhalt erhitzt wird. Bitte vorher die Lötstellen gründlich reinigen, sofern keine Absaugvorrichtung für Lötdämpfe vorhanden ist.

Ist der Akku entfernt, wird es mitunter um Welten komplizierter, sofern der Akku bereits ausgelaufen ist. Die in diesem Fall notwendigen Schritte können sehr weitreichend sein. Oberste Priorität sollte aber in jedem Fall die sofortige Neutralisierung des ausgelaufenen Akku Inhalts sein, damit alle laufenden Zerstörungsprozesse gestoppt werden.

Spezialreiniger

Je nach Härtegrad sind sämtliche Flächen oder aber die gesamte Platine mit Isopropanol oder entsprechenden Elektroreinigern zu behandeln. Im Gegensatz zu sonst, muss hier großzügig mit Reiniger gearbeitet werden. Eine alte Zahnbürste hilft, um mit sanftem, mechanischen Druck auch die Stellen zu erreichen, an die mit der Hand und einem Lappen nicht kommt. Es ist auch gut möglich, dass diese Schritte einige male wiederholt werden müssen.

Anschließend ist ein prüfender Blick auf die Bauteile von Nöten. Gab es bereits Grünspan an Bauteilen, so sollten flach auf der Platine aufgebrachte Bauteile schnellstens entfernt werden, um auch unter diesen Bauteilen reinigen zu können.

Viele scheuen diesen Schritt und sind der irrigen Annahme erlegen, es würde reichen, intensiv drumherum zu reinigen. Elektrolyt ist jedoch kriechfähig! Es läuft auch unter Bauteile, die nicht mal einen Millimeter über der Platine angebracht sind. Dort kann es auch Jahre später noch unbemerkt Schaden anrichten. Besonders gefährlich wird, wenn sich unter den Bauteilen Leiterbahnen oder gar sogenannte VIA’s (so nennt man Durchkontaktierungen, von einer Platinenseite zur anderen) betroffen sind.

Sind bereits die Leiterbahnen angegriffen, so ist ein Glasfaserstift und/oder Schleifpapier zu verwenden, um die defekten Bereich vom Platinen Schutzlack zu befreien. Mit einem Multimeter sollten die Bahnen nun durchgeklingelt werden. Zweifelhafte Stellen sind mit Lötdraht zu überbrücken – die offen gelegten Leiterbahnen sollten einmal komplett verzinnt werden. Anschließend sind die Leiterbahnen wieder zu versiegeln, um Spannungsüberschläge oder anderweitige, äußerliche Einwirkungen zu vermeiden.

Und wichtig ist bei all diesen Schritten – immer wieder reinigen!!!

Sind Bauteile komplett angegriffen oder nur teilweise angefressen, sollten diese vorsorgliche komplett ausgetauscht werden. Alles andere wäre sparen am verkehrten Ende. Eine Sperrdiode kostet wenige Cent – wird sie nicht gewechselt, können die Folgeschäden ungleich größer sein. Ist erst mal ein Custom Chip kaputt, der nicht mehr so ohne Weiteres zu beschaffen ist, wird es ärgerlich und mitunter auch sehr teuer!

Grundsätzlich sollte man hier jedoch klipp und klar sagen, sämtliche Härtefälle gehören in Profihände – diese sind mit der Materie betraut und benötigen solche Informationsseiten nicht. Ab dem Punkt „stärker fortgeschritten„, in der obigen Stadiumstabelle, sollte ein Laie nicht mehr Hand anlegen.

Diese Beschreibung soll nur veranschaulichen, mit welchem Aufwand solche Arbeiten behaftet sind.

Beachten Sie jedoch unbedingt folgenden Hinweis:

Jegliche Nachahmung geschieht auf eigene Gefahr!!! Alle hier gemachten Angaben sind ohne Gewähr. Wir übernehmen keinerlei Haftung bei Schäden an Material und Mensch!

Der Eingriff in Netzspannung führende Elektronik ist für Laien Tabu und wird rechtlich als grob fahrlässiges Verhalten angesehen!!! Keine Versicherung kommt für Schäden an Leib und Leben, sowie Eigentum auf, wenn Sie als Laie nachweislich grob fahrlässig handeln!

Für diejenigen, die sich diese Dinge nicht zu trauen, sei gesagt, dass man anhand dieser Berichte sieht, dass nahezu alles wieder hinzubekommen, und kaum ein Fall hoffnungslos ist! Benötigen Sie Hilfe, mangels Kenntnissen und Equipment, können Sie gern zu uns Kontakt aufnehmen! Gerne helfen wir Ihnen bei der Lösung des Problems. Nutzen Sie hierzu bitte unser Kontaktformular für Hardwareprobleme und schildern uns Ihr Anliegen. Gern unterbreiten wir Ihnen einen Lösungsvorschlag.