Der Gilb und die Methode

Es gibt eine Methode, wie man dem Gilb Einhalt gebieten und ihn zumindest auf Zeit bekämpfen kann.

Diese Methode ist jedoch nicht unbedingt für den Hausgebrauch zu empfehlen, gerade wenn es sich um einen Haushalt mit Kindern oder Haustieren handelt, denn hier wird mit gefährlichen Chemikalien hantiert. Zu dem lohnt sich diese Methode nicht für Sammler, die nur ein oder 2 Geräte haben, die entgilbt werden sollen. Die Anschaffung der Zutaten, des Zubehörs und der Schaffung eines Chemie gerechten Arbeitsumfeldes stehen meist in keinem Verhältnis zum Nutzen – sind aber zwingend, alles andere wäre grob fahrlässig! Aufgrund dieser Einwände geben wir an dieser Stelle, wie bereits erwähnt, keine detaillierten Tipps, wie man diese Methode selbst anwenden kann. Wir bitten auch von Anfragen in dieser Richtung abzusehen.

grafisches h2o2 Molekülmodel (Quelle Wikipedia)

Das Zauberwort ist hier Wasserstoffperoxid – kurz H2O2. Wasserstoffperoxid hat bleichende Fähigkeiten und wird daher in vielen gewerblichen und industriellen Bereichen, so auch z.B. im Friseurhandwerk bereits seit Ewigkeiten eingesetzt, um z.B. Haare zu blondieren. Auch die Lebensmittelindustrie. sowie die Medizin bedienen sich der positiven Eigenschaften dieses Mittels, denn H2O2 hat neben seiner Bleicheigenschaft auch eine stark desinfizierende Wirkung, denn es greift organisches Materie an, also auch Bakterien und Viren. So werden damit z.B. PET Flaschen, Joghurtbecher und andere Lebensmittelaufbewahrungsbehältnisse gereinigt und desinfiziert oder OP Besteck sterilisiert – womit wir dann auch gleich einem im Internet weit verbreiteten Gerücht entgegen treten können, wonach Kunststoffe, die mit der H2O2 Technik entgilbt wurden, spröde, porös und zu Staub zerfallen würden.

Das ist schlicht und ergreifend Unfug!!! Wäre dem so, würde die Lebensmittelindustrie damit wohl kaum seit Jahrzehnten auf dieses Mittel zur Reinigung und Desinfektion von Plastikbehältern zurückgreifen. Darüber hinaus haben wir seit nun mehr gut 15 Jahren und etlichen Hundert Objekten nicht ein einziges gehabt, dass danach spröde wurde, seine Oberflächenstruktur verlor oder dergleichen – selbst Lego Steine behalten ihre glatte und hochglänzende Oberfläche.

Dies ist aus einem recht einfachen Grund nicht möglich: H2O2 ist ein Oxidationsmittel und nicht als Säure anzusehen – es reagiert bei Kontakt mit organischer oder metallischer Materie, nicht aber mit dem Kunststoff selbst. Es werden demnach nur die Farbpigmente angegriffen und diese haben mit der Beschaffenheit des Kunststoffes in der Regel nichts zutun. Da ist die Methode, Gehäuse Teile in einer Spülmaschine zu reinigen, weitaus abenteuerlicher. Man bedient sich bei H2O2 dem Grunde nach der Bleichwirkung durch den im Wasser angereicherten Sauerstoff. Hier sind also keine Säuren, Laugen oder andere, zusätzliche Chemikalien am Werk. Letztlich ist es das selbe Prinzip, nach dem auch moderne Oxi-Reiniger für den Haushalt funktionieren.

Nichts für das heimische Wohnumfeld!

Die H2O2 typischen Eigenschaften machen es jedoch ebenso gefährlich, denn auch wenn sich H2O2 letztlich im Laufe der Zeit in seine harmlosen Bestandteile Wasser und Sauerstoff zersetzt, so ist die spezielle, chemische Verbindung hoch aktiv, sobald sie mit metallischen oder organischen Gegenständen in Kontakt kommt. Bereits H2O2 in einer 6 – 12 % Lösung kann schwere Verbrennungen/Verätzungen auf der Haut und Bekleidung hervorrufen, bei größeren Gebinden sogar zur Selbstentzündung und Explosion/Verpuffung führen, daher der dringende Rat:

Auch wenn Sie schon viele Anleitungen im Netz gelesen haben, die es angeblich leicht machen für „jedermann“ solche Projekte durchzuführen, so denken Sie bitte immer daran, dass H2O2 KEIN Haushaltsreiniger ist!

Auch liest man immer wieder, wie manche versuchen, das Ganze zu optimieren, weil es ihnen z.B. nicht schnell genug geht. Da wird dann schnell mal H2O2 über Kreuz mit anderen Reinigern und Mitteln wild gemischt, ohne auch im entferntesten über die Reaktionsfreudigkeit der verschiedenen Mittel Bescheid zu wissen!

Das kann lebensgefährlich werden, wenn Sie sich nicht damit auskennen! Sehen Sie also bitte dringend von solchen Überlegungen und Experimenten ab. Nicht jeder Tipp im Netz sollte unbedarft nachgemacht werden! Sie spielen mitunter nicht nur mit Ihrer und der Gesundheit anderer sondern mitunter sogar mit dem Leben!

Genau diese Anleitungen und der unbedarfte, teils naiv-experimentelle H2O2 und dessen Nutzung (Es gibt nämlich auch H2O2 Lösungen, die aufgrund des Herstellungsprozesses mit Säure versetzt sind) lassen Gerüchte verschiedenster Art tatsächlich ein Stückweit wahr werden. Wer H2O2 mit Substanzen versetzt, die bereits für sich allein Kunststoffe angreifen, braucht sich nicht wundern, sich Kunststoffe verformen, spröde werden oder anderweitig Schaden nehmen.

Wer ein Essen kocht und entgegen der Anleitung und jeglicher Logik und Ratschläge das ganze dennoch mit einem Kilo Pfeffer aufzupeppen versucht, braucht sich genauso wenig wundern, wenn die Leute sich danach sprichwörtlich den Mund verbrennen!!!

Uns ist nur eine einzige Anleitung im Netz bekannt, die offenkundig ein auf fundiertem Wissen basierendes Rezept für den Hausgebrauch anbietet. Alle anderen Meinungen, Denkensweisen und Anleitungen existieren größtenteils auf der Basis von gefährlichem Halbwissen, irgendwelcher Vermutungen oder trotziger, persönlicher Meinungen.

Genau deswegen verzichten wir, wie bereits angedeutet, bewusst auf entsprechende Anleitungen und Empfehlungen, denn wir wollen nicht für eventuelle Missverständnisse und dessen Folgen verantwortlich sein.