Vorwort

Die Amiga 1000 Tastur zählt zu den seltensten Tastaturen in der Amiga Welt. Zugleich verfügt sie auch über eine sehr seltene Technik, die in keinem nachfolgenden Amiga Model Verwendung findet. Leider leiden diese Tastaturen nicht selten unter Kontaktproblemen. An dieser Stelle beschreiben wir den genauen Ablauf, wie man Kontaktprobleme bei einer Amiga 1000 Tastatur beseitigt.

Die jeweiligen Bilder, die die Schritte dokumentieren, können zur Vergrößerung angeklickt werden.

Beachten Sie bitte, dass das Instandsetzen einer Amiga 1000 Tastatur sehr Zeit- und Arbeitsintensiv ist und je nach Geschicklichkeit mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Diese Arbeiten sind definitiv nichts für Laien und Gelegenheitsbastler. Hier sind feinmechanische Fingerfertigkeiten und Grundkenntnisse aus der Elektronik von Nöten.

Das Besondere der Amiga 1000 Tastatur

Amiga 1000 Tastaturen bestehen im Gegensatz zu späteren Amigas und heutigen PC Tastaturen aus sehr viel Feinmechanik. Heutige Tastaturen hingegen aus Folien, welche über Graphitkontakte verfügen, die mittels eines Graphit beschichteten Gummis an der eigentlichen Taste, den jeweiligen Kontakt schließen. Diese Tastaturen sind wesentlich einfacher zu reinigen und mit Graphitlack wieder herzustellen. Bei der Amiga 1000 Tastatur ist allein schon jeder einzelnen Tastenkontakt einzeln verlötet.

Schritt 1

Zerlegen der Tastatur

Nachdem die Tastatur vollständig vom Amiga getrennt wurde, werden die auf der Rückseite befindlichen Gehäuseschrauben herausgedreht. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, welche wo genau war, denn die Schrauben sind unterschiedlich lang. Ein Vertauschen kann beim späteren Zusammensetzen zur Folge haben, dass sich die Schrauben auf der Oberseite durch drücken.

Nun entfernt man mit einem länglichen und dünnen Werkzeug die Plastiktasten-Kappen, dessen Tasten man instand setzen will. Dies ist mit Vorsichtig und Geduld zu machen, in dem man das Werkzeug seitlich unter die Kappe schiebt und die Kappe unter leichtem Druck anhebt. Dabei stützt man die gegenüberliegende Seite mit einem Finger, damit der Druck nicht zu einseitig wird und die Plastikführung der Kappe nicht ausleiert oder sogar ausbricht.

Wenn die Kappe entfernt wurde, muss noch das Platinenschutzblech auf der Rückseite der Tastatur entfernt werden.

Nun sieht man die nackte Unterseite der Tastatur, auf der sich die Lötkontakte der Tasten befinden.

Schritt 2

Ausbauen der jeweiligen Taste

Bild 1

Mithilfe eines Lötkolbens und einer Entlötpumpe oder einer Entlötstation entfernt man nun das Lot an den 2 Kontakten der jeweiligen Taste. Sollte die Taste nicht bereits von selbst herausgefallen sein, dreht man die Tastatur wieder um und zieht die Taste nach oben aus dem Metallrahmen heraus. Sollte dies nur schwer gehen, sollte man in jedem Fall noch mal die Lötkontakte überprüfen. Meist hängen diese noch einseitig am Lötauge der Platine und sie müssen nur noch mal kurz erwärmt werden.

In keinem Fall sollte man versuchen die Taste mit Gewalt/hohem Druck herauszuziehen – das kann zum einen die Mechanik der Taste beschädigen, aber auch die uralten Lötaugen von der Platine reissen, womit noch größere Reparaturen nötig würden.

Auf Bild 1 ist die vollständig ausgelötete Taste ohne Tastenkappe zu sehen.

Schritt 3

Öffnen der Tastenmechanik

Wenn man nun die Taste vor sich liegen hat, geht es ans Eingemachte. Von jetzt an ist noch mehr Fingerspitzengefühl und Geduld von Nöten. Einmal abgebrochene Teile sind schwer bis gar nicht reparabel!!! Man sollte sich also Zeit nehmen und lieber noch mal überlegen, ob man sich die folgenden Schritte zutraut.

Bild 2

Um nun die Mechanik der Taste frei zu legen muss das schwarze Gehäuse geöffnet werden. Dieses besteht aus zwei Teilen, nämlich der Oberseite, aus der der weiße Druckgeber herausguckt und aus der Unterseite, aus der die beiden Lötkontakte hervorstehen.

Beide Hälften sind mit Haltenasen fest verbunden, welche mit einem schmalen und dünnen Gegenstand (es empfiehlt sich ein Schlitzschraubendreher für Feinmechaniker) leicht aufgehebelt werden müssen. Sollte dies nicht auf anhieb klappen, sollte man lieber mehrmals ansetzen, als dies mit Gewalt zu versuchen. Sind die Haltenasen einmal abgebrochen, hat die Mechanik nachher keinen Halt mehr.

Schritt 4

Zerlegen der Mechanik (Teil 1)

Bild 3

Ist das Öffnen des Gehäuses einmal geglückt, sind die folgenden Schritte wieder einfacher. In Bild 2 sieht man links den Gehäuse Deckel mit der Öffnung für den Druckgeber, rechts daneben das Innenleben mit dem Unterteil des Gehäuses.

Nun zieht man den weißen Druckgeber (Bild 3, rechts außen) aus dem Gehäuse. Auf der Unterseite des Druckgebers befindest sich kleine Feder. Sollte diese verdreckt sein, ist diese mit einem feinen Pinsel zu reinigen. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Feder nach Möglichkeit in ihrer Verankerung bleibt. Diese Feder sorgt dafür, dass die Taste nach einem Druck automatisch wieder nach oben in die Startposition springt.

Zerlegen der Mechanik (Teil 2)

Bild 4

Nun schaut man in das fast leere Gehäuse, lediglich der Kontaktgeber ist noch zu erkennen. Auch dieser ist einfach aus dem Gehäuse herausziehbar. Allerdings sollte man sich gut merken, auf welcher Seite des Gehäuses dieser positioniert ist, da die gegenüberliegende Gehäuse Seite ähnlich aussieht und nicht unbedingt passen muss! Wie auf Bild 4 zu erkennen, ist die gesamte Mechanik in ihre Hauptkomponenten Gehäuseoberteil (links), Gehäuseunterteil (mitte), Kontaktgeber (mitte oben) und Druckgeber (rechts) zerlegt.

Schritt 5

Reinigung

Nachdem nun alle Bauteile, wie in Bild 4 vor einem liegen, sollte man diese nun erst einmal ausgiebig reinigen. Oft fühlen sich die Bauteile schmierig an, sei es durch Schweiss, ausgelaufene Getränke etc..

Bei der Reinigung ist unbedingt darauf zu achten, KEINE scharfen Reiniger zu nehmen, einfaches Wasser und ein bisschen Spülmittel reichen. Wenn die Reinigung erfolgt ist, müssen alle Teile absolut trocken sein, bevor man weiter macht. Es empfiehlt sich die Sachen vorsichtig mit einem Fön zu trocknen, damit wirklich jegliche Wassertropfen weg sind. Der Fön darf jedoch nicht unmittelbar an die Bauteil gehalten werden, um Deformierungen zu vermeiden. Das Hauptaugenmerk sollte bei der Trocknung den Metallführenden Teilen gewidmet werden, denn werden diese Bauteile feucht eingebaut, sind Korosionen vorprogrammiert!

Um auch den Kontaktgeber vernünftig reinigen zu können, damit der elektrische Kontakt gewährleistet ist, empfiehlt es sich, diesen ebenfalls in seine beiden Einzelteile zu zerlegen. Hierzu zieht man das V-förmige Metallplättchen (der eigentliche Kontaktgeber), von der blauen Kontaktplatte (dem Kontaktnehmer) ab. Gewalt ist hier fehl am Platz. Der Kontaktgeber ist oben nur leicht eingehakt und lässt sich ganz leicht herausklipsen.

Bild 5 – links: Kontaktgeber (V förmiges Metallplättchen), rechts: Kontaktnehmer (blaue Kontaktplatte mit Lötkontakten)

Schritt 6

Mechanische Kontaktprobleme beheben

Bild 6

Nach dem man sich der Reinigung gewidmet hat, widmet man sich nun dem eigentlichen Problem – dem Kontaktproblem. Hierzu setzt man Kontaktgeber und Kontaktnehmer wieder zusammen.

Sieht man sich die Einheit aus Kontaktgeber und Nehmer seitlich an, wie in Bild 6 zu sehen, sollte man gut erkennen können, dass die zwei kleinen Arme des V-förmigen Kotaktgebers abgewinkelt sind. Auch ist mittig am aufeinerander zulaufenden Ende der beiden Arme eine kleine nach innen gekehrte Wölbung zu erkennen, die minimal Spiel zur Kontaktplatte, dem Kontaktnehmer hat. Exakt so, wie auf dem Bild zu sehen, sind die Maße korrekt. Meistens sind die beide Arme nicht mehr weit genug abgewinkelt und müssen vorsichtig in ihre Ursprungsform zurückgebogen werden, damit der Druckgeber später wieder genug Widerstand hat, den Kontakt auszulösen.

Schritt 7

Überprüfung der Kontaktfähigkeit

Nun kann man die Tastenmechanik wieder zusammen bauen. Bevor man jedoch auch den Deckel des Gehäuses wieder aufsetzt und das große „fummeln“ potenziell wieder losgeht, sollte man mithilfe eines Multimeter erst einmal testen, ob die Kontaktfähigkeit wirklich wieder gegeben ist. Dazu wird das Mutlimeter auf Durchgangsprüfung/Kurzschlußprüfung gestellt (diese Funktion wird auch als Diodentest bezeichnet) und mit den beiden Lötkontakten an der Kontaktplatte verbunden. Drückt man nun die Taste sollte das Multimeter dies anzeigen. Sollte man feststellen, dass die Taste immer noch nicht 100 prozentig klappt, sollte man die Schritte 6 und 7 solange wiederholen, bis man mit dem Kontakt zufrieden ist. Allerdings sollte man das Biegen nur so selten wie möglich vornehmen, um das Material nicht zu ermüden!!!

Schritt 8

Zusammenbau

Funktionieren die Kontakte, baut man wieder alle Teile in umgekehrter Reihenfolge zusammen. Eine genauere Beschreibung dessen dürfte überflüssig sein, denn wer die Beschreibung des Ausbaus liest, dürfte mit Hilfe dieser und der Fotos auch wieder alles zusammen bauen können.

Nach dem wieder alles zusammen gebaut ist, testet man gleich am laufenden System. Man sollte nun feststellen, dass der Tastendruck wieder sehr empfindlich reagiert und der Druckanschlag wieder etwas härter ist.

Fertig!

Es empfiehlt sich, die Zeit zu nehmen, nicht nur einzelne Tasten nach diesem Verfahren zu bearbeiten, sondern gleich alle Tasten. Zum einen vorbeugend, zum anderen, damit wirklich alle Druck- und Anschlagspunkte gleich sind. Diese Arbeit lohnt sich wirklich!!!

Diese Anleitung kann nur grob anreißen, wie komplex die Instandsetzung einer A1000 Tastatur ist. Vieles, was sich leicht liest, ist schwer in der Umsetzung.

Bitte DRINGEND folgenden Hinweis beachten:

Jegliche Nachahmung geschieht auf eigene Gefahr!!! Alle hier gemachten Angaben sind ohne Gewähr. Wir übernehmen keinerlei Haftung bei Schäden an Material und Mensch! Der Eingriff in Netzspannung führende Elektronik ist für Laien Tabu und wird mindestens versicherungsrechtlich als grob fahrlässiges Verhalten angesehen!!! Keine Versicherung kommt für Schäden an Leib und Leben, sowie Eigentum auf, wer nachweislich grob fahrlässig handelt!

Wer mangels Kenntnis und Equipment Hilfe benötigt, sucht bitte den Elektrotechniker/Elektroniker seines Vertrauens auf. Gerne sind auch wir behilflich. Hierzu bitte einfach mittels unserem Kontaktformular für Hardwareprobleme Kontakt zu uns aufnehmen.