Die Vorgeschichte

Vor einigen Monaten erhielten wir augenscheinlich eine Standardanfrage zum Thema Amiga 3000 und Akkuproblemen.

Ein gewisser Georg berichtete uns, dass er seinen Amiga vor über 10 Jahren eingemottet habe und ihn nun reaktivieren wolle. Er hätte aber im Netz Informationen gefunden, dass man das nach so langer Zeit nicht ohne prüfende Blicke tun sollte. Er hätte nun entdeckt, dass der Akku in seinem Amiga ausgelaufen sei. Er habe ihn entfernt und gesehen, dass das Mainboard schon angegriffen sei. Er wollte den Amiga so nicht in Betrieb nehmen und nach Möglichkeit von uns überprüfen lassen.

Nicht irgendein Amiga 3000 Besitzer

Im Laufe der Mail Konversation stellte sich heraus, dass es sich nicht um irgendeinen Amiga 3000 Besitzer handelte, sondern um niemand geringeren, als Georg Hörmann, der nun aber aufgrund einer Namensänderung Georg Wittmann hieß.

Jener Georg, der für die Entwicklung des legendären Virentools VirusZ, sowie der xvs.library verantwortlich zeichnet. Und ja, es war auch nicht irgendein Amiga, um den es sich handelte, sondern exakt jener Amiga, auf dem VirusZ das Licht der Welt erblickte.

Anfangs etwas ungläubig boten wir ihm an, uns des Projekts anzunehmen, so wie wir es bei jedem machen, der uns höflich um Hilfe bittet.

Die Prioritätenverschiebung

Georg schrieb uns, dass er den Amiga eigentlich nur wieder in Betrieb nehmen wollte, weil er beabsichtigte, seine entwickelten Tools ein letztes Mal zu bearbeiten, bevor er sie dann abschließend der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollte.

Ferner beichtete er uns, dass der Amiga selbst eigentlich nicht mal sein größtes Problem sei. Sein Problem lag eher in dem Umstand, dass er es seinerzeit versäumt hatte, Backups seiner damaligen Daten zu machen. Die im Amiga 3000 befindliche Festplatte war also der einzige Datenträger, der Georgs Arbeit beinhaltete.

Somit war klar, bevor wir uns überhaupt dem Amiga selbst widmen, haben die Daten der Festplatte oberste Priorität.

Der Zustand

Als uns der Amiga dann erreichte und wir eine erste Sichtung vornahmen, dachten wir erst noch, dass sich das Problem in Grenzen hielt. Als wir jedoch alles zerlegt und genauer gesichtet hatten, fanden wir den „Grünspann“ bereits an den Zorro Slots, an diversen Sockeln, ja sogar die RAM Bänke der verbauten Turbokarte zeigten entsprechende Spuren. Damit war klar, das wird ein äußerst umfassendes Projekt und bedarf viel Zuwendung, ohne wirkliche Garantie auf zeitnahen Erfolg.

Die Datenrettung

Nach dem vernichtenden Urteil, betreffend des Amigas, wollten wir erst einmal Georgs Daten sichern, damit er wenigstens diese wieder unmittelbar zurück erhalten konnte.

Aufgrund der Tatsache, dass die Daten nur einmalig auf der uns vorliegenden Festplatte gesichert waren, hätten womöglich banale Funktionstests und der Versuch eines normalen Auslesen der Daten ein zu hohes Risiko mit sich gebracht. Zu groß war die Gefahr, dass die Festplatte physisch oder elektronisch bereits beschädigt war oder bei Ausleseversuchen Beschädigungen erlitten hätte. Da SCSI Platten dieses Typs schon seit Jahren nicht mehr gebaut werden und es auch keine Ersatzteile mehr im Recovery Segment gibt, waren die Mittel begrenzt.

So haben wir uns letztlich dazu entschlossen, die Daten außerhalb des physischen und elektronischen Einflussbereichs des Festplattenlaufwerks auszulesen. Hierfür verfügen wir über eine zeitgemäße Recovery Maschine, die in der Lage ist, Magnetscheiben aus einem Festplattenlaufwerk auszulesen, ganz unabhängig davon, ob das Laufwerk selbst beschädigt war oder nicht.

Ein solcher Recovery Prozess findet bei modernen Festplatten kaum noch, bzw. gar keine Anwendung mehr, da dieses Verfahren a) nur bei Festplatten funktioniert, die noch keine zu hohe Flächendichte besitzen und b) werden von den Festplattenherstellern mittlerweile zusätzliche Sicherheiten (Verschlüsselung, Codierung etc.) in die Laufwerke verbaut, so dass der Austausch und externe Betrieb einzelner Komponenten kaum noch möglich ist. Moderne Festplatten werden heutzutage repariert, um von ihnen dann eine 1:1 Kopie zu erstellen, mit der dann eine Datenrückgewinnung durchgeführt wird.

Um es in kurzen, verständlichen Worten zu erklären, in unserem Fall wird das Laufwerk in einer Staub freien Kapsel komplett zerlegt. Dann werden die Magnetplatten komplett demontiert und entnommen und in den Dummy-Schlitten der Recovery Maschine verbracht. Die Maschine wird auf den Plattentyp des ursprünglichen Laufwerks eingestellt und der Recovery Vorgang beginnt.

Dieses Verfahren lässt das Festplattenlaufwerk danach zwar unbrauchbar werden, hat aber den Vorteil, dass die Magnetplatten des Laufwerks im Originalzustand erhalten werden, denn im Gegensatz zum Festplattenlaufwerk führt die Recovery Maschine auch keine Routinen, wie die Überprüfung der Startsektoren etc. aus. Die Recovery Maschine lässt lediglich die Magnetplatten drehen und liest diese aus, sobald ihr der Befelh dazu gegeben wird. Dabei arbeitet sie äußerst schonend und vor allem langsamer, als das Festplattenlaufwerk. Das bietet den Vorteil, dass die Datenbits mit einer sehr geringen Fehlerquote ausgelesen werden können. Hierzu liest die Maschine einige, wenige Bits aus, um die Fehlerquote zu bestimmen. Anschließend passt ein Algorithmus die Drehzahl an. Mitunter wird der Recovery Vorgang mit nur wenigen hundert Umdrehungen ausgeführt. Damit auch wirklich jedes Bit erfasst wird, lesen drei Leseeinheiten parallel die Daten aus. Diese drei ermittelten Rohdaten werden am Ende zusammengefügt, sodass auch schwer lesbare Daten zu einem hohen Prozentsatz rekonstruiert werden können.

Ob diese harte Maßnahme wirklich von Nöten war, ist letztlich unerheblich – allein das Risiko, die Festplatte bei konventionellen Rettungsversuchen im schlimmsten Fall komplett unlesbar zu machen, hat uns zu diesem harten Schritt bewogen.

Licht am Ende des Tunnels

Letztlich wurde zumindest dieser Schritt belohnt. Wir waren mit dieser Maßnahme in der Lage, Georgs Daten vollständig wiederherzustellen und digital verfügbar zu machen, sodass wir ihm vorerst eine Arbeitsumgebung unter WinUAE einrichten konnten, damit er die Daten überprüfen und sogar bearbeiten kann.

Wie geht es weiter mit VirusZ?

Georg war lange Zeit verschollen geglaubt und nicht mehr wirklich aktiv im Amiga Sektor. Der aufmerksame Amiganer wird aber bereits bemerkt haben, dass Georg sich zumindest kurzfristig wieder ganz offiziell in der Amiga Szene zurückgemeldet und um Mithilfe, bei seinem Vorhaben gebeten hat, VirusZ letztmalig zu überarbeiten, bevor er gedenkt, es offiziell freizugeben. Diese Tatsache fußt letztlich auf dem Umstand, dass wir die Daten wiederherstellen konnten.

Wir haben Georg jedoch nicht vorgreifen wollen und mit dem „VirusZ Amiga“ Bericht zumindest so lange warten wollen, bis Georg sich der Öffentlichkeit aus eigenen Stücken erneut zu erkennen gibt.

Und was ist mit dem „VirusZ“ Amiga?

Was den Amiga betrifft, so stehen wir mit Georg in engem Kontakt und haben bereits einen Plan aufgestellt, was mit diesem Amiga passieren soll. Er soll nämlich nicht einfach nur wieder ins Leben zurückgerufen werden und „irgendein“ Amiga 3000 werden, der auf irgendeinem Dachboden versauert.

Georg hat sich bereits dazu entschieden, uns den Amiga im gegenwärtig leider kläglichen Zustand zu überlassen.

Wir werden nun mit seiner Hilfe betreffend Peripherie und Daten versuchen, den Amiga wieder in seinen Urzustand zu versetzen und so Georgs Programmierumfeld der damaligen Zeit zu rekonstruieren. Sollte dies gelingen, wird der Amiga entsprechend konserviert und als ein Teil der Amiga Historie erhalten bleiben und z.B. auf potenziellen Events, die thematisch passen, ausgestellt werden. Ein erlebbarer Amiga mit greifbarer Geschichte also.

Wir werden hierzu zu gegebener Zeit Updates und entsprechende Bilder veröffentlichen.