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In dieser Anleitung beschreiben wir den genauen Ablauf, eine Amiga 1000 Tastatur zum laufen zu kriegen, deren Tasten aufgrund von Kontaktproblemen nicht mehr reagieren.

Abgebildete Bilder, die zur Veranschaulichung der jeweiligen Arbeitsschritte dienen, können angeklickt werden, um sie im Großformat anzuzeigen.

Beachten Sie bitte, dass das instandsetzen einer Amiga 1000 Tastatur sehr Zeit- und Arbeitsintensiv ist und je nach Geschicklichkeit mehrere Stunden, verteilt auf Tage brauchen kann.

Amiga 1000 Tastaturen bestehen im Gegensatz zu nachfolgenden und heutigen Tastaturen aus sehr viel Feinmechanik. Heutige Tastaturen hingegen aus Folien, welche über Graphitkontakte verfügen, die mittels eines Graphit beschichteten Gummis an der eigentlichen Taste, den jeweiligen Kontakt schliessen. Diese Tastaturen sind wesentlich einfacher zu reinigen und mit Graphitlack wieder herzustellen.

Benötigtes Werkzeug und Material

Folgendes Werkzeug und Material sollte vorhanden sein, um eine vernünftige Arbeit zu gewährleisten:

• Lötkolben (am besten Temeperatur regelbar)
• Multimeter (Durchgangsprüfung)
• Feinmechenaiker Schlitzschraubendreher o.ä.
• Wattestäbchen (zum reinigen empfindlicher Teile)
• Fön
• Druckluft (optional zum besseren entfernen von Staub)

Arbeitszeit pro Taste je nach Kenntnis im Umgang mit Elektronik und Feinmechanik:

• Anfänger ca. 20 Minuten
• Fortgeschrittener ca. 3 - 5 Minuten
(Diese Zeiten gelten ab auslöten der jeweiligen Taste!)


Schritt 1 - zerlegen der Tastatur

Nach dem die Tastatur vollständig vom Amiga getrennt wurde, werden die auf der Rückseite befindlichen Gehäuseschrauben herausgedreht, dabei ist unbedingt darauf zu achten, welche wo dirn waren, da hier kürzere und längere verwendet wurden. Im schlimmsten Fall drücken sich falsch eingedrehte Schrauben auf der Vorderseite durch und hinterlassen unschöne Hubel.

Nun entfernt mit einem llänglichen und dünnen Werkzeug die Plastiktasten-Kappen, dessen Tasten man instand setzen will. Dies ist vorsichtig und mit Geduld zu machen, in dem man das Werkzeug seitlich unter die Kappe schiebt und die Kappe unter leichtem Druck anhebt. Dabei stützt man die gegenüberliegende Seite mit einem Finger, damit der Druck nicht zu einseitig wird und die Plastikführung der Kappe nicht ausleiert oder sogar ausbricht.

Wenn die Kappe entfernt wurde, muss noch das Platinenschutzblech auf der Rückseite der Tastatur entfernt werden.

Nun sieht man die nackte Unterseite der Tastatur, auf der sich die Lötkontakte der Tasten befinden.

Schritt 2 - ausbauen der jeweiligen Taste

Mithilfe eines Lötkolbens und einer Entlötpumpe entfernt man nun das Lot an den 2 Kontakten der jeweiligen Taste. Sollte die Taste nicht bereits von selbst herausgefallen sein, dreht man die Tastatur wieder um und zieht die Taste nach oben aus dem Metallrahmen heraus. Sollte dies nur schwer gehen, sollte man in jedem Fall noch mal die Lötkontakte überprüfen. Meist hängen diese noch einseitig am Lötauge der Platine und sie müssen nur noch mal kurz erwärmt werden.

In keinem Fall sollte man versuchen die Taste mit Gewalt/hohem Druck herausziehen, das kann zum einen die Mechanik der Taste beschädigen, aber auch die 20 Jahre alten Lötaugen von der Platine reissen, womit noch größere Reparaturen nötig würden.

Auf dem unteren Bild ist die vollständig ausgelötete Taste zu sehen.

ausgebaute Taste



Schritt 3 - zerlegen der Tastenmechanik

Wenn man nun die Taste vor sich liegen hat, geht es ans eingemachte. Von jetzt an ist Fingerspitzengefühl und Geduld von Nöten. Einmal hier abgebrochene Teile sind schwer bis gar nicht reparabel!!! Man sollte sich also Zeit nehmen und lieber noch mal überlegen, ob man sich die folgenden Schritte zutraut.

Um nun die Mechanik der Taste frei zu legen muss das schwarze Gehäuse geöffnet werden. Dieses besteht aus zwei Teilen:

• Oberseite, aus der der weiße Druckgeber herausguckt
• Unterseite, aus der die beiden Lötkontakte hervorstehen.

Beide Hälften sind mit Haltenasen fest verbunden, welche mit einem schmalen und dünnen Gegenstand (es empfiehlt sich ein Schlitzschraubendreher für Feinmechaniker) leicht aufgehoben werden müssen. Sollte dies nicht auf anhieb klappen, sollte man lieber mehrmals ansetzen, als dies mit Gewalt zu versuchen. Sind die Haltenasen einmal abgebrochen, hat die Mechanik nachher keinen Halt mehr.

auf dem unteren Bild sieht man die geöffnete Taste und das Innenleben.

Tastengehäuse offen



Schritt 4 - zerlegen der Mechanik Teil 1

Ist das öffnen des Gehäuses einmal geglückt, sind die folgenden Schritte wieder einfacher. Im oberen Bild sieht man links den Gehäuse Deckel mit der Öffnung für den Druckgeber, rechts das Innenleben mit dem Unterteil des Gehäuses.

Nun zieht man den weißen Druckgeber aus dem Gehäuse. Auf der Unterseite des Druckgeber findet man eine kleine Feder. Sollte diese verdreckt sein, ist diese mit einem feinen Pinsel zu reinigen. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Feder nach Möglichkeit in Ihrer Verankerung bleibt. Diese Feder sorgt dafür, dass die Taste nach einem Druck automatisch wieder nach oben in die Startposition springt.

Gehäuseinneres & Druckgeber



Schritt 4 - zerlegen der Mechanik Teil 2

Nun schaut man in das fast leere Gehäuse, lediglich der Kontaktgeber ist noch zu erkennen. Auch dieser ist einfach aus dem Gehäuse herausiehbar. Allerdings sollte man sich gut merken, auf welcher Seite des Gehäuses dieser positioniert ist, da die gegenüberliegende Gehäuse Seite ähnlich aussieht und nicht unbedingt passen muss!

komplett zerlegte Tastenmechanik



Schritt 5 - Reinigung

Nach dem nun alle Bauteile, wie im oberen Bild vor einem liegen, sollte man diese nun erst einmal ausgiebig reinigen. Oft fühlen sich die Bauteile schmierig an, sei es durch Schweiss, ausgelaufene Getränke etc..

Bei der Reinigung ist unbedingt darauf zu achten KEINE scharfen Reiniger zu nehmen, einfaches Wasser und ein bisschen Spülmittel reichen. Wenn die Reinigung erfolgt ist, müssen alle Teile absolut trocken sein, bevor man weiter macht. Es empfiehlt sich die Sachen vorsichtig mit einem Fön zu trocknen, damit wirklich jegliche Wassertropfen weg sind. Der Fön darf jedoch nicht unmittelbar an die Bauteil gehalten werden, um Deformierungen zu vermeiden. Das Hauptaugenmerk sollte bei der Trocknung den Metallführenden Teilen gewidmet werden, denn werden diese Bauteile feucht eingebaut, sind Korosionen vorprogrammiert!

Kontaktgeber und Kontaktplatte



Schritt 6 - Kontaktproblem beheben

Nach dem man sich der Reinigung gewidmet hat, widmet man sich nun dem eigentlichen Problem. Hierzu legt man den Kontaktgeber mit Kontaktplatte vor sich. Man erkennt, dass dieser aus einer einfachen aber sehr kleinen Technik besteht. Ein kleines Metallplättchen, welches in V Form leicht gebogen daher kommt, wird an die Kontaktplatte, mit den Lötkontakten heran gedrückt. Genau diese beiden in V Form angeordneten Kontakte biegen sich im Laufe der Jahre und Nutzung wieder gerade und können somit kaum noch Kontakt aufbauen. Um wieder einen guten Kontakt herzustellen, sollten diese beiden Kontakt in einem ähnlichem Winkel gebogen sein, wie im unteren Bild. Auch der oben anliegende Halter sollte noch einmal etwas zusammengedrückt werden, damit er an der Kontaktplatte besser hält.

Kontaktgeber und Platte fertig



Schritt 7 - Überprüfung der Kontaktfähigkeit

Nun kann man die Tastenmechanik wieder zusammen bauen. Bevor man jedoch auch den Deckel des Gehäuses wieder aufsetzt und das große "fummeln" potenziell wieder herstellt, sollte man mit hilfe eines Multimeter erst einmal testen, ob die Kontaktfähigkeit wirklich wieder gegeben ist. Dazu wird das Mutlimeter auf Durchgangsprüfung/Kurzschlußprüfung gestellt (diese Funktion wird auch als Diodentest gekennzeichnet) und mit den beiden Lötkontakten an der Kontaktplatte verbunden. Drückt man nun die Taste sollte das Multimeter dies anzeigen. Sollte man feststellen, dass die Taste immer noch nicht 100 prozentig klappt, sollte man noch mal die Schritte 6 und 7 solange wiederholen, bis man mit dem Kontakt zufrieden ist. Allerdings sollte man das biegen nur so selten wie möglich machen, um das Material nicht zu ermüden!!!

Schritt 8 - Zusammenbau

Nun baut man wieder alle Teile in rückwärtiger Reihenfolge zusammen. Eine genauere Beschreibung dessen dürfte Überflüssig sein, denn wer die Beschreibung des Ausbaus liesst, dürfte mit Hilfe dieser und der Fotos auch wieder alles zusammen bauen können.

Nach dem wieder alles zusammen gebaut ist, testet man gleich am laufenden System. Man sollte nun feststellen, dass der Tastendruck wieder sehr empfindlich reagiert und der Druckanschlag wieder etwas härter ist.

Fertig!

Wir wünschen viel Erfolg!

Abschliessende Worte

Es empfiehlt sich, die Zeit zu nehmen, nicht nur einzelne Tasten nach diesem Verfahren zu bearbeiten, sondern gleich alle Tasten. Zum einen vorbeugend, zum anderen, damit wirklich alle Druck und Anschlagspunkte gleich sind. Diese Arbeit lohnt sich wirklich!!!

Bei Repearaturanfragen und Hilfen beraten und helfen auch wir gern!!!

Anfragen bitte an:
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